Glaube der Raum schafft

John Swinton am Rednerpult<br />

Was braucht es, damit wir uns als Teil einer Gruppe von Menschen fühlen? «Erst wenn du vermisst wirst, gehörst du wirklich dazu» lautet in etwa die Antwort von John Swinton aus Schottland. An der Fachtagung Inklusion in Winterthur hielt der Professor für Praktische Theologie von der Universität Aberdeen das Hauptreferat und ein praktisches Vertiefungsseminar.

Rund 100 Teilnehmende aus Landes- und Freikirchen sowie sozialen Institutionen gingen an der Tagung der Frage nach, wie die Inklusion von Menschen mit Behinderungen gelingen kann und wie Räume geschaffen werden können, die tatsächliche Teilhabe und eine gemeinsame Spiritualität ermöglichen.

John Swinton zeigte in seinem Referat auf, dass die Menschenrechte dafür da sind, damit alle Menschen Zugang erhalten. Die Liebe Gottes befähigt uns aber erst, Menschen zu sehen, ihnen auf Augenhöhe zu begegnen, sich Zeit füreinander zu nehmen und miteinander in Beziehung und Freundschaft zu treten. Erst dann fühlen wir uns z.B. in einer Kirche zugehörig. Und dies gilt nicht nur für Menschen mit Behinderungen, sondern für alle; denn wir haben alle die gleichen Bedürfnisse.

In acht Vertiefungsseminaren konnten sich die Teilnehmenden zweimal ganz praktisch einem Thema widmen. Jonathan Verwer, Pastor in der Viva Kirche in Liestal, stellt die Frage, ob Gott behindert sei. Die Frage soll dabei keine Provokation sein, sondern eine Einladung, Gott vom verletzlichen menschlichen Leben her neu zu denken. Caroline Naeff von der Reformierten Kirche St.Gallen stellte in ihrem Workshop zusammen mit Selbstvertretenden die Bausteine für eine inklusive Kirche vor. Und im Workshop mit Etienne Wolf von der Höheren Fachschule für Sozialpädagogik ICP wurde das Recovery-Modell und die Peer-Arbeit mit Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen vorgestellt.

Alle Teile der Fachtagung im Plenum und vier Vertiefungsseminare wurden von insgesamt vier Dolmetscherinnen in Gebärdensprache übersetzt. Roland und Patty Hermann-Shores sind die Initianten und Leiter der Gehörlosen-Community in der Arche Winterthur, einem schönen Beispiel von gelebter Inklusion. In ihrem Workshop zeigten sie unter anderem die leidvolle Geschichte von gehörlosen Menschen auf. Bis in die späten 1980-er Jahre war die Gebärdensprache verboten und die Kinder wurden in der Schule gezwungen, die Lautsprache zu erlernen.

Abgeschlossen wurde die Tagung mit einem gemeinsamen Vaterunser in Laut- und Gebärdensprache. Markus Münger, der Präsident der Christlichen Gehörlosengesellschaft (CGG) führte uns in einzelne Gebärden des Gebets ein und leitete uns im gemeinsamen Gebet.

Die Tagung wurde organisiert von Glaube und Behinderung und dem Institut Inklusiv. Als Partner unterstützte die CISA, der Verband der christlichen Sozialwerke sowie einzelne Landes- und Freikirchen. Eine nächste Tagung Inklusion soll in zwei Jahren wieder stattfinden.