Wenn die Liebe über die Vernunft siegt

Februar 2019, von Markus Hänni

Lebensfreude statt Todesangst

Markus hat Mukoviszidose, er ist 37 Jahre alt. Die Ärzte sprechen von einer durchschnittlichen Lebenserwartung von knapp 40 Jahren. Er muss mit seinen Kräften haushalten, wird häufig durch schwere Infekte aus dem Alltag gerissen. Barbara ist gesund, ehrgeizig, zielstrebig, stationsleitende Krankenschwester. Wie die beiden sich gegen alle Widerstände für ein gemein-sames Leben entschieden habe, schildern sie abwechselnd in „Weil jeder Atemzug zählt“.

Barbara und Markus Hänni und ihre Entscheidung füreinander

https://www.youtube.com/watch?v=EhR7iNxfrXk&t=60s
Markus Hänni ist unheilbar krank und müsste gemäss früheren Prognosen bereits tot sein. Dennoch hat er sich entschieden zu heiraten und mit seiner Frau Barbara eine Familie zu gründen. Dass er keine durchschnittliche Lebenserwartung hat, erfährt Markus von den Ärzten schon als Kind. Sie diagnostizieren die Stoffwechselkrankheit Mukoviszidose oder Cystische Fibrose. Seine Atemwege sind wegen eines Gendefekts voller Schleim. Das Atmen fällt ihm schwer. Jeder Husten, jede Infektion könnte tödliche Folgen haben.

Markus Hänni lebt mit dem ständigen Risiko, dass die Lunge oder ein anderes Organ versagt. Nur mit therapeutischer Schwerstarbeit kann er sich am Leben halten. Im Wissen, dass jeder Atemzug zählt, lebt Markus ein Leben, das er schätzt und geniesst. Doch Markus sah seine Herausforderungen nicht immer derart positiv.

Der vermeintlich letzte Atemzug
Der tägliche Kampf gegen den plötzlichen Atemstillstand bringt Markus schliesslich in eine auswegslose Situation. Er will sich selber umbringen. Während einem seiner vielen Spitalaufenthalte spritzt er sich selbstständig eine tödliche Substanz. «Vor meinen Augen begann die Welt erst zu verschwimmen, dann überzog sie ein dichter, trockener Nebel. Schliesslich verschwand sie ganz.»

«Gott will, dass ich lebe»
Markus überlebt den Selbstmordversuch. Schutzengel seien am Werk gewesen, um den eigentlich sicheren Tod zu verhindern. Markus erkennt: «Gott will, dass ich lebe.» Dieses Leben kehrt zurück – und wie. Markus verliebt sich in Barbara. Die beiden sind seit 2012 verheiratet. Trotz Markus‘ Krankheit und körperlicher Einschränkungen werden sie Eltern von Zwillingen. Zusammen versuchen sie jeden Moment zu schätzen und zu geniessen. «Markus und ich haben gelernt, den Augenblick beim Schopf zu packen und nicht alles auf später zu verschieben», sagt Barbara Hänni.

Lebensfreude weitergeben
Weil Markus‘ Gesundheit keinen normalen Arbeitsalltag zulässt, bezieht er eine Invalidenrente. «Die häufigen plötzlichen Ausfälle wären für einen Arbeitgeber nicht zumutbar.» Während der ihm zur Verfügung stehenden Zeit ist er als eine Art Botschafter für die «Cystische Fibrose» unterwegs und setzt sich für Menschen mit Behinderungen ein. «Ich will die Beziehungen zwischen Menschen mit und ohne Handicap fördern». Er macht das, indem er seine chronische Krankheit offen und klar thematisiert. Durch seine Auftritte in der breiten Öffentlichkeit geht Markus seinem Ziel nach, einen positiven Umgang mit herausfordernden Krankheitsgeschichten in der Gesellschaft, in Medien, Politik und der Wirtschaft zu schaffen. Seine eigene Geschichte – für alle Menschen ein echter Mutmacher – erzählt Markus in zwei Büchern.

Doch wie geht Markus mit der ständigen Todesangst um? «Eine lange, breite Perspektive, das ist es, was ich mir wünsche. Doch das liegt nicht in meiner Hand. Wie bei jedem von uns.»

Im «Fenster zum Sonntag»-Talk erzählt das Ehepaar Hänni seine bewegte Lebens und Liebesgeschichte.

Dreharbeiten während dem "Fenster zum Sonntag" Talk

Infos zum Artikel

Lebensbericht wurde in dieser Infozeitschrift veröffentlicht:
Info-Zeitschrift 1/2018, Seite

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Quelle: Antenne 12-2018