Gottvertrauen schenkt Zuversicht

Oktober 2017, VON KATHARINA ASCHWANDEN-RICHNER

Gottvertrauen schenkt Zuversicht, Familie Richner

Silvia und Ruedi Richner haben zwei erwachsene Kinder. Lynn ist seit ihrer Geburt körperlich behindert (Spina bifida und Hydrocephalus). Wie stellen sich die vier ihre Zukunft vor und was unterstützt sie dabei?

Lynn, Büroassistentin, 23 jährig

Wenn ich mir meine Zukunft vorstelle, sehe ich mich als selbständig wohnende Frau, die eventuell verheiratet ist und im Beruf aufgestiegen. Um diese Selbständigkeit zu erlangen, bereite ich mich vor. Ich überlege mir Vieles, ich recherchiere, lerne mich zu strukturieren und übe, einen Haushalt zu
führen. Wenn meine Eltern mich vielleicht einmal nicht mehr begleiten können, habe ich die Gewissheit, dass mein Bruder Kevin für mich da ist. Genauso wie die nähere Verwandtschaft, die Gemeinde und mein Hauskreis. Der Glaube spielt in meinem Leben eine zentrale Rolle. Manchmal, wenn ich zu kämpfen habe, sage ich Gott meine Meinung oder frage ihn, weshalb er dies und jenes zulässt. Zu ihm kann ich mit allem gehen. Für meine Zukunft bin ich deshalb zuversichtlich und was ich mir vorstelle, stimmt mich hell und freudig.

Kevin, Primar-/Musiklehrer, 26 jährig

Momentan bin ich sehr zuversichtlich, was die Zukunft meiner Schwester betrifft. Ich bin stolz, wie sie ihren Alltag meistert, mit welchem Pflichtbewusstsein sie ihre Aufgaben wahrnimmt und wie sie ihre Stärken im Alltag einsetzt. Ich wünsche ihr Menschen, die ihr Potential erkennen und ihre Selbständigkeit fordern und fördern. Wie sehe ich meine Rolle als Bruder, wenn meine Eltern einmal nicht mehr da sind? Natürlich will ich immer für sie da sein und helfen wo es geht. Eine solche Begleitung beinhaltet viele Aspekte. Ich bin mir bewusst, dass für gewisse Themen meine Kompetenz nicht ausreicht und ich sicherlich professionelle Begleitung suchen würde. Lynn ist viel mehr als ihre Behinderung. Somit begegne ich ihr einfach als Mensch und nehme sie so an, wie sie ist. Wie ich das mit allen Menschen machen möchte.
Ich probiere sie zu unterstützen, indem ich versuche im Gespräch herauszufinden, was ihre momentanen Anliegen, Bedürfnisse und Sorgen sind. Ich will ihr ein normales Gegenüber sein. Welche Rolle hat dabei der Glaube gespielt? Der Glaube lehrt mich, alle Menschen so zu lieben und anzunehmen wie sie sind. Ich verstehe es als Aufforderung zur Liebe und nicht zum Mitleid. Mitleid hat für mich einen Hierarchie-Charakter. In Liebe begegne ich dem Menschen auf Augenhöhe.

Kevin Richner

Die Eltern, Silvia und Ruedi

Auch wir sind sehr zuversichtlich, was die Zukunft von Lynn betrifft. Mit leichter Unterstützung im Alltag wird sie es schaffen, als selbständige Frau durchs Leben zu gehen. Nur schon, weil sie es wirklich will. Beim normalen «Bürokram» und allen Belangen mit Versicherungen, Steuern usw. wird sie Hilfe von aussen in Anspruch nehmen. Es wird auch darum gehen, dass sie Bestehendes erhalten kann. Zurzeit üben wir mit ihr den Alltag. Sie lernt einen Haushalt zu führen, sich zu strukturieren und ein angemessenes Arbeitstempo zu trainieren. Ebenso zeigen wir ihr, dass Vielfältigkeit die Lebensqualität erhöht. Wir wünschen uns, dass sie möglichst unabhängig von uns wird. Vor 23 Jahren gab es eine Richtungsänderung in unserem Leben.

Unterdessen können wir sie beide an nehmen. Die grosse Unterstützung von aus sen, unsere Familie und die Gemeinde, hat uns getragen und trägt bis heute. Der Glaube ist unser Lebensinhalt. Gott sorgt für unsere Kinder. Das hat sich in den letzten 23 Jahren immer wieder bewahrheitet und stimmt uns zuversichtlich. Zuversichtlich bis zum Schluss? Heute könnten wir diesem Motto zustimmen. Wenn grössere Herausforderungen auf uns zukommen, werden wir zwar nicht fröhlich sein, uns aber von Gott getragen wissen, Halt und Zuversicht spüren.

Ruedi und Silvia Richner

Infos zum Artikel

Lebensbericht wurde in dieser Infozeitschrift veröffentlicht:
Info-Zeitschrift 2/2017, Seite 12

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