Fachtagung 2017

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Datum: 15. Juni 2017, 10.00
Ort: Campus Sursee

„Die Theologie betrachtet Angst im Licht des christlichen Glaubens, um den Umgang damit zu verbessern und wo nötig zu korrigieren“. Der Theologe Andreas Loos, Dozent am Theologischen Seminar St. Chrischona, führte in acht Schritten aus, welche positiven und negativen Seiten der Angst in der Bibel ersichtlich sind. „Gott teilt in freier Liebe die Angst der Menschen, indem er sie an ihrer Seite durchlebt“. Angst empfinden zu können sei eine Gabe Gottes, die er den Menschen zumute, um mit ihr Leben zu gestalten. Als Sünde bezeichnet er den Versuch, aus sich selbst und für sich selbst zu leben. „Dann wird die Angst zu einer Lebensangst, die den Menschen in seiner Ichfixierung gefangen hält und ihn auf lebenszerstörerische Weise antreibt und beherrscht“. Doch an der Seite von Christus, der vor seinem Tod ebenfalls grosse Angst litt, könne der gläubige Mensch  seiner Angst Ausdruck geben und schliesslich als Teil seines Lebens annehmen. Als Gegenmittel empfahl er das Lachen und erzählte dazu einen Witz: „Josef von Arimathäa wurde von Nikodemus gebeten, sein Grab für den toten Jesus zur Verfügung zu stellen. Josef wollte nicht recht, da beruhigte ihn Nikodemus: „Kein Stress, Mann, es ist nur für ein Wochenende!“

Beziehung überwindet Angst

Der Psychiater Roland Stettler hielt fest, dass Angststörungen die häufigsten psychischen Erkrankungen  seien. „Ein Drittel der Menschen sind im Lauf ihres Lebens davon betroffen“. Allerdings werde nur die Hälfte diagnostiziert. Einerseits, weil die körperlichen Symptome nicht als Zeichen einer Angststörung erkannt oder weil Fachpersonen nicht früh genug aufgesucht würden. Es seien immer verschiedene Faktoren, welche die Störung verursachten.  „Wir müssen lernen, innere Stärke zu gewinnen, um auf gesunde Weise mit Stress und Angst umgehen zu können“. Beziehungen zu Gott und Menschen und ein aus innerer Überzeugung gelebter Glaube helfen dabei. Ruhepausen wie der Sonntag sei dabei eine wertvolle Möglichkeit der Erholung. Bereits ein 30-minütiger Spaziergang verhelfe während zwei Stunden zu einem besseren Befinden. Allerdings könnten die hohen Erwartungen einer religiösen Gemeinschaft auch die Angst auslösen, den Anforderungen nicht zu genügen. Da gelte es zu differenzieren. Sowohl Körper wie auch Seele senden Signale, wenn ein Mensch nicht im Gleichgewicht ist und von Stresssymptomen überwältigt wird. Der Facharzt empfahl daher: „Sorge gut für deine Seele“! Dies sei vor allem dort möglich, wo sichere Bindungen bestünden. Wer sie nicht erlebe, solle sich Unterstützung holen.

Mitteleuropa sieht schwarz

„Die Schweiz ist das beste Land, um darin geboren zu werden“, zeigen Studien auf. Andreas Walker, Zukunftsforscher und Leiter der VBG, erklärte dazu, dass die positive oder negative Einschätzung der Zukunft oder des Alters die Lebensqualität und –Dauer ebenso beeinflusse. Daher lobt er den Ansatz des Lehrplans 21, der auf das gemeinsame Lösen von Problemen statt auf Erkennen von Mängeln setze. Schadensversicherung sei immer noch ein Wachstumsmarkt.  „Für nichts geben Schweizer mehr Geld aus als für Versicherungen“, erläuterte er. Forscher und Medien setzten den Fokus bisher vor allem auf negative Anzeichen für die Zukunft Und schlechte Nachrichten blieben viel besser in Erinnerung als gute.  „Dabei ist die Hoffnung doch eine christliche Tugend!“ Gott nehme unsere Ängste ernst, aber mit ihm seien sie überwindbar. Die Salutogenese erforsche, warum Menschen gesund bleiben. Es liege in der Entscheidung jeder Person, wo sie investiere, worauf  sie ihre  Gedanken und Gefühle richte, aufs Positive oder Negative.  „Haben wir Angst vor der Angst oder Hoffnung auf Hoffnung?“ fragte er das Publikum.

Acht Vertiefungsseminare

Organisiert wurde der Anlass vom Verein Glaube und Behinderung, den Vereinigten Bibelgruppen VBG und dem Bildungszentrum Christliche Begleitung und Beratung bcb. Sie bot nebst den der Hauptreferaten Workshops an zu den Themen „Christliche Meditation“ vom Theologen und Ausbildungsleiter von bcb, Hans-Martin Kromer, „Wenn Behinderung das Leben ins Wanken bringt“ vom Theologen Christoph Marti, „Fremde unter uns“ von Heilsarmeeoffizier Paul Mori, „Hoffnung ist Kraft zum Leben“ von der Theologin Monika Riwar, „Palliativ Care“ von Pflegefachfrau Nelly Simmen, „Ängste bei Kindern, Imponierverhalten bei Jugendlichen“ vom Kinder- und Jugendpsychiater Hans-Rudolf Stucki und „Was uns Hoffnungs-, Angst- und Sorgenbarometer sagen“ vom Zukunftsforscher Andreas Walker.

Vertiefungsseminar

Ursprüngliche Musik zur Auflockerung

Umrahmt wurden die Referate vom AlphornDuo timorosso. Die beiden professionellen Musikerinnen Tina Wilhelm und Monika Zuber spielten verschiedene Stilrichtungen und  begleiteten auch Anbetungslieder mit ihren Alphörnern, Dies sei „eine Welturaufführung“, betonte der Geschäftsleiter von Glaube und Behinderung, der als Moderator durch den Tag führte. „Mir hat der Anlass sehr gefallen“,  gab zog ein Teilnehmer Bilanz. „Es wurde nicht so hochgestochen geredet, sondern so, dass ich es verstanden habe“. Seine Frau nickte dazu, auch sie habe gute Impulse erhalten. Auf der sonnenüberfluteten Terrasse des Restaurants von Campus Sursee genossen sie als krönenden Abschluss des reichhaltigen Tages noch ein kühles Glacé.

Mirjam Fisch-Köhler

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